Der Westerwälder Verein Wäller Helfen e.V. erhält den Engagement-Preis 2021 der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Parallel knackte der junge Verein am 18. Dezember die Wahnsinns-Spendensumme von mehr als 300.000 Euro zugunsten der Flutopfer im Ahrtal. 22.000 Bäume wurden gepflanzt.

Westerwaldkreis. Dem am 13. März 2020 gegründete Nachbarschaftshilfe-Verein Wäller Helfen e.V. aus dem Westerwald wurde kurz vor Weihnachten der Engagement-Preis der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) verliehen. Die DSEE ist eine öffentlich-rechtliche Bundesstiftung.

Preis der Jury

Die Jury setzte sich zusammen aus 27 Experten und wählte für den gesamten süddeutschen Raum aus 357 Einsendungen zehn Gewinner aus. Jeder Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die DSEE möchte mit diesem Preis Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement stärken und fördern. Ehrenamt und freiwilliges Engagement würden eine herausragende Rolle zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts einnehmen. Wer sich ehrenamtlich engagiert, trage aktiv zum Erhalt des Miteinanders und zur Lebensqualität bei. Besonderen Wert legte die Expertenjury bei ihrer Entscheidung auf Übertragbarkeit, Innovation, Inklusionskraft und Wirksamkeit der eingereichten Ideen.

„Wir gehören damit zu den besten ehrenamtlichen Netzwerken und Institutionen dieses Landes – als Non-Profit-Organisation nicht nur für die Bundesrepublik Deutschland, sondern auch für Rheinland-Pfalz, aber vor allem für unsere Heimat, den Westerwald“, fasst der Vorsitzende von Wäller Helfen, Björn Flick aus Oberroßbach, zusammen. Jung, dynamisch.

Nachbarschaftshilfe

Am Anfang begann Wäller Helfen e.V. mit Hilfsaktionen und Vernetzung in den sozialen Netzwerken, um das Leid vieler Menschen, welches die Corona-Pandemie ausgelöst hatte, zu lindern mit einer ersten Facebook-Gruppe, die Christian Döring ins Leben gerufen hatte. Döring sagte zu seiner Motivation: „Wir wollen die Menschen sensibilisieren, sich wieder mehr um sich um die Gesellschaft zu kümmern.“ Nach dem Motto „Gemeinsam statt Einsam“ schlossen sich binnen kürzester Zeit viele tausend Freiwillige an, die helfen wollten. So viele, dass Döring seinen Freund Björn Flick um Hilfe bat. Dieser war von dem Potenzial beeindruckt und setzte alle Hebel auf Erfolgskurs. Seither ist die wachsende Vereinsgeschichte beispiellos und für die Region einmalig. Unzählige Fans brachten eigene Ideen mit ein, andere ihre Fachkompetenz. So entstanden online kostenlose Fitnessangebote, Kinderbasteln und -animation, Entertainment, Geschenkbörsen, Ratgeber und nützlicher Informationsaustausch.

Schnell wurde die Besonderheit dieses Projektes klar, die sich nicht nur auf den Zeitraum von Lockdown und Corona erstreckt, sondern auch nach der Krise weiter wachsen soll, um auch künftig Wäller Mitmenschen bei den unterschiedlichsten Problemen mit großen und kleinen Projekten zu helfen.

Ganz nebenbei wurden bereits 2020 zusätzlich weihnachtliche Geschenke an Bedürftige verteilt, Fahrdienste zu Impfzentren wurden organisiert, Kinder bereiteten an Ostern den Senioren in den Pflegeheimen eine Freude, deren Eltern brachten einsam lebenden Menschen ihre Einkäufe. Ein harmonisches Miteinander zeichnet alle diese Aktionen aus – und das tausendfach. Mittlerweile zählt Wäller Helfen zu den größten Nachbarschaftshilfe-Netzwerken des Landes. Und dabei ist der Verein noch nicht einmal zwei Jahre alt.

Die Flutkatastrophe
Es war die Klimakrise, die beinahe über Nacht die Dynamik und Flexibilität des Vereins herausforderte. So nutzte Wäller Helfen in enormer Geschwindigkeit die Wäller Solidarität untereinander auch für Hilfseinsätze bei unseren Nachbarn an der Ahr. Für die Flutopfer wurden ganze Busladungen mit menschlichen Helfern und Hilfsgütern aus dem Westerwald entsendet, um vor Ort jede erdenkliche Hilfe zu leisten. Dabei ging es zunächst um Aufräumarbeiten, es folgten Fachkräfte und Handwerker, um kostenlos oder vergünstigt Versorgungsleitungen zu installieren und zu reparieren. Als Koordinator der vielen Einzelaktionen und der Vernetzung mit anderen Hilfsteams an der Ahr setzte sich der erste Vorsitzende, Björn Flick, mit all seinem Herzblut dafür ein, dass Wäller Helfen e.V. schon aktiv geworden ist, als die staatlichen Hilfszentren noch durch bürokratische Mühlen gingen. Als Dank für die Helfer an der Ahr wurde ein Charity-Event im Stöffelpark ausgerichtet.(Thomas Sonnenschein)

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